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Die Abkürzung HPU steht für
Hämopyrrollaktamurie.
HPU ist eine genetisch bedingte Stoffwechselstörung und bedeutet unter anderem, dass Betroffene eine
eingeschränkte Entgiftungsfähigkeit
haben.
Entgiftung findet im Körper ständig statt. Die Reparatur- und Entsorgungsdienste sind kontinuierlich im Einsatz. Beim Vorliegen einer HPU sind diese Mechanismen individuell gestört.
Um sich das etwas besser vorstellen zu können, nehmen wir folgendes an:
Und jetzt stellen Sie sich mal vor, dass die Abfallentsorgung in dieser Stadt nicht richtig funktioniert.
Die Bewohner sind verzweifelt und genervt, die Stadtverwaltung weiß auch nicht weiter, die "wilden Abfallberge" wachsen. Einige sichtbar, einige versteckt und unsichtbar.
Das ist natürlich eine stark vereinfachte Sicht und zudem ein Beispiel. Tatsächlich produziert unser Körper keinen "Abfall", sondern "Stoffwechsel-Endprodukte". Aber auch diese müssen aus dem Körper raus, müssen entsorgt werden.
Noch einmal kurz zurück zu unserer fiktiven Stadt, in der die Entsorgung nicht rund läuft. Die Gründe können vielschichtig sein, zum Beispiel …
… es gibt zu wenige einsatzfähige Transportfahrzeuge.
… es gibt zu wenig Personal.
… es ist viel zu viel, was entsorgt werden muss.
Was auch immer die Gründe sind - die Stadt bekommt den anfallenden Abfall einfach nicht weg.
In einem HPU-Körper ist die Lage ähnlich. Die Entgiftung ist eingeschränkt – und das hat vielfältige Auswirkungen auf Körper und Psyche. Auswirkungen, die oftmals nichts miteinander zu tun zu haben scheinen, z.B.:
Diese Liste ist nicht vollständig und – der Vollständigkeit halber sei gesagt – die oben benannten Symptome müssen nichts mit einer HPU zu tun haben, sie können auch davon unabhängig auftreten. Jedoch habe ich jedes dieser Symptome in Kombinationen bereits bei meinen HPU-Patient:innen beobachtet.
Die Entgiftung ist also gestört – was bedeutet das für die Behandlung einer HPU?
Die überwiegende Zahl meiner Patient:innen reagiert erleichtert auf die Diagnose HPU.
Erleichtert, weil nach oftmals vielen Jahren des Suchens, der Verzweiflung, der Hoffnungen und Enttäuschungen endlich ein Ergebnis vorliegt. Schwarz auf weiß, endlich etwas Greifbares.
Die gute Nachricht direkt vorweg – HPU ist behandelbar.
Das Ziel einer HPU-Behandlung ist die Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens. Es wird ein Zustand angestrebt, der die Einschränkungen von HPU mildert. Konkret geht es um das Erleben von mehr Energie, weniger Schmerzen, mehr Regulationsfähigkeiten, weniger Stress, mehr Konzentrationsfähigkeit und individuell noch einiges mehr.
Damit das klappt, müssen die Entgiftungsfunktionen einerseits besser laufen und – ganz wichtig - andererseits so wenig wie möglich weitere Giftstoffe aufgenommen werden.
Hinweis:
Der Begriff „Giftstoff“ bezieht sich hier auf Stoffe, die für einen HPU-Körper zur Herausforderung werden können oder schon geworden sind und nicht auf Stoffe, die im Allgemeinverständnis als Gifte gelten, wie z.B. Arsen, Quecksilber oder Kohlenmonoxid.
Eine HPU-Behandlung ist einerseits komplex (weil es nie um ein Organ oder eine Struktur geht, sondern immer um das gesamte System) - andererseits kann mit einfachen Mitteln oftmals schon einiges erreicht werden.
Jeder Körper produziert Stoffwechsel-Endprodukte, die aus dem Körper raus müssen. Das ist eine völlig natürliche Folge unseres Stoffwechsels und unser Körper ist sehr gut darin, sich von Stoffen zu befreien, die ihm nicht mehr dienlich sind.
Bei einer HPU jedoch kommen - vereinfacht gesprochen - mehrere Dinge zusammen:
Ein HPU-Körper hat daher zunächst mal einen erhöhten Bedarf an genau diesen drei Stoffen. Sie werden u.a. benötigt, um den sogenannten HPL-Komplex (ein neurotoxisches Nebenprodukt des HPU-Stoffwechsels) zu binden und idealerweise auch auszuscheiden. Der Bedarf an diesen Nährstoffen ist so hoch, dass er mit der Ernährung alleine nicht gedeckt werden kann. Deshalb ist eine Säule einer zielgerichteten HPU-Behandlung, dem Körper die Stoffe zuzuführen, die er in hohem Maß verbraucht.
Säule Mikronährstoffe ergänzen
Aktives Vitamin B6 zuzuführen ist eines der Ziele, jedoch nur selten der Start der Behandlung. Die Vielzahl meiner Patient:innen sind sensibel und feinfühlig – aktives B6 ist eher das Gegenteil und kann bei einem unvorbereiteten HPU-Körper zu Nebenwirkungen führen.
Deshalb empfehle ich fast immer zuerst die Einnahme von anderen Mikronährstoffen, um den Körper sanft auf das kommende aktive Vitamin B6 einzustimmen. Je nach Konstitution kann die Vorbereitung einige Wochen oder Monate dauern.
Säule Stress | Stressreduzierung | Hormonelle Stressachse
Fatalerweise leben wir in einer Welt, in der Viele nicht mehr sicher spüren können, ob sie „im Stress sind“ oder nicht. So wird unterschwelliger Stress zur Normalität, Entspannung zum unbekannten Luxus.
Daher sind die Antworten auf die Fragen:
besonders wichtig.
Wege zu finden, um Stressoren zu identifizieren und sie dann in ihren Auswirkungen dauerhaft zu reduzieren, ist ein wichtiger Bestandteil einer HPU-Behandlung.
Säule Essen und Trinken | Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Ein HPU-Körper kann schon mit der Bewältigung des eigenen, inneren Stoffwechsels am Limit sein. Alles, was zusätzlich von außen kommt (z.B. Essen und Trinken), kann zur Herausforderung werden.
Hochverarbeitete Lebensmittel, wie sie heute in jedem Supermarkt herumstehen, können für einen HPU-Körper eine erhebliche Belastung darstellen. Das liegt einerseits an den vielen Zusatzstoffen, die den Produkten beigefügt sind, andererseits an der industriellen Verarbeitung allgemein.
Da es einfacher ist, Unverträgliches erst gar nicht aufzunehmen, als später zu versuchen, die Aktivitäten eines Immunsystems wieder unter Kontrolle zu bringen, gilt bei der Ernährung:
Genauso wichtig ist die Überprüfung, welche Nahrungsmitteln gar nicht oder nur sehr schlecht vertragen werden. Auch hier gilt – lieber Unverträgliches direkt meiden und mit Verträglichem ersetzen, als später versuchen, die Folgen einzudämmen.
Säule Schadkeime beseitigen
Wenn im Körper die Entgiftung nicht gut funktioniert, wichtige Nährstoffe fehlen, Stress ein Dauerthema ist, der Schlaf nicht erholsam ist, die Ernährung nicht passt … haben Keime, die dem Körper schaden können (Schadkeime), oftmals „leichtes Spiel", weil das System insgesamt geschwächt ist.
Wenn eine Fehlbesiedlung, eine Verschiebung im Milieu einmal da ist, geht diese von alleine nicht wieder weg. Sie muss jedoch beseitigt werden, damit eine HPU-Behandlung greifen kann.
Auch dem Zustand der Zähne kann eine wichtige Rolle zukommen. Alle in den Mundraum eingebrachten Stoffe - und die Situation der Mundflora generell - werden nämlich 24/7 in den Körper abgegeben.
Säule Darmflora
Fast alle Bakterien im Körper (gut 99%) befinden sich im Darm. Alle Mikro-Organismen im Darm gemeinsam werden Mikrobiom genannt. Vielleicht haben Sie diesen Begriff schon mal gehört. Seit einigen Jahren rückt das Mikrobiom und sein individueller Zustand mehr und mehr in den Mittelpunkt von Forscher:innen.
Ist das Mikrobiom nicht gesund, ist der Mensch es auch nicht.
Säule Bewegung & Schlaf
Ich schreibe hier bewusst „Bewegung“ und nicht „Sport“. „Sport“ kann schnell in Stress ausarten und das wollen wir bei einer HPU-Situation nicht.
Regelmäßige moderate Bewegung wird immer noch unterschätzt. Verbringen Sie jeden Tag mindestens 30 Minuten unter freiem Himmel – bei jedem Wetter. Sie werden erstaunt sein, wie sich das Wohlbefinden über Zeit verändert.
Nehmen Sie sich Zeit für Ihren Schlaf. Im Schlaf regeneriert und erholt sich unser Körper – das ist immer wichtig – bei einer HPU ist es essentiell.
Das Ziel einer HPU-Behandlung ist die Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens. Es wird ein Zustand angestrebt, der die Einschränkungen von HPU mildert.
Das wollen natürlich alle HPU-ler:innen – und zwar jetzt und sofort.
Meist kämpfen sie seit langer Zeit mit den Auswirkungen einer unerkannten HPU. Oftmals ist zwischenzeitlich der körperliche und psychische „Geduldsfaden“ arg in Mitleidenschaft gezogen, sehr kurz geworden.
Das verstehe ich.
Gleichzeitig macht es jedoch keinen Sinn, alle Säulen einer HPU-Behandlung parallel anzugehen.
In einer HPU-Behandlung ist es wichtig, ebenso zielorientiert wie behutsam vorzugehen. Der aktuelle Zustand von Körper & Psyche gibt den Takt der ersten – und auch aller folgenden - Schritte vor.
In anderen Worten:
Eine HPU-Behandlung ist kein Sprint. So sehr sich auch Betroffene manchmal eine „schnelle Lösung“ wünschen.
Ich vergleiche eine HPU-Behandlung lieber mit einer Wanderung. Ruhige, einfache Strecken wechseln sich ab mit Hügeln und Tälern. Manchmal ist der Weg leicht und direkt erkennbar, manchmal müssen wir uns umschauen, damit es weitergeht. Auf der „HPU-Wanderung“ dürfen Pausen genossen werden, es gibt immer wieder herrliche Ausblicke, wundervolle Wege und schöne Erlebnisse. Und jeder Schritt in die richtige Richtung bringt näher zum individuellen Ziel.
Anders als eine Therapie, die in der Gabe vielleicht eines Präparates besteht, das einfach nur geschluckt werden muss, ist der Erfolg einer HPU-Behandlung nach meinen Praxiserfahrungen entscheidend davon abhängig, dass Möglichkeiten genutzt und Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge umgesetzt werden.
Erinnern wir uns nochmal an die Stadt mit den vielen Bewohnern, die jeden Tag Abfall produzieren und an die Einschränkungen, weil die Entsorgung nicht rund läuft.
Wenn in dieser Stadt bei allen Entsorgungs-Fahrzeugen die Reifen überprüft und aufgepumpt, die Ladeflächen gereingt und Personal gesucht wird, hätte es vordergründig den Anschein, als würde ganz viel in Bewegung kommen. Tatsächlich jedoch ändert sich dadurch an den Abfallbergen in der Stadt nichts.
In der Stadt kann sich erst dann etwas ändern, wenn alle verfügbaren Infos rund um die nicht funktionierende Entsorgung auf den Tisch kommen, präzise geschaut wird, was wirklich los ist und daraus Maßnahmen abgeleitet werden.
Zum Abschluß dieses Textes möchte ich Ihnen Mut machen.
Oft ist die Diagnose HPU der Einstieg in ein besseres Verständnis für den Körper und hilft, bei Essen & Trinken, bei Bewegung & Schlaf, bei der Bewältigung der Lebensaufgaben die individuell richtigen Entscheidungen zu treffen.
Eine HPU kann mit einem einfachen Urin-Test nachgewiesen werden.
Reden wir doch darüber:
Deva Dagmar Keßlau | Dortmund
Heilpraktikerin | Mediale Mentorin
Wichtiger Hinweis:
Alle meine Blogartikel dienen der Information, der Aufklärung, der Wissensvermittlung. Sie sind nicht geeignet um Selbstbehandlungen oder Selbstdiagnosen durchzuführen oder Behandlungen oder Diagnosen bei anderen Menschen vorzunehmen. Meine Blogbeiträge ersetzen auch nicht eine ärztliche, heilpraktische oder anderweitige therapeutische Beratung, Begleitung oder Behandlung.
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